Winzerhof am Römer Gau-BickelheimHeute im Winzerportrait: Der Winzerhof am Römer – Weinbau Jürgen Vollmer. Neben Heike Schmitt vom Weingut Liebfrauenstiftshof, Jeanette Fels vom Weinhaus Fels, Alwine Bornheimer von den Landfrauen und Hansjürgen Klöpsch vom Grillteam Schulrat-Spang-Str.,  gehört Jürgen Vollmer mit zum Organisationsteam vom Wein erleben im Wißberg. Das Gespräch fand mit Ruth und Jürgen Vollmer statt.

Hallo Ruth, hallo Jürgen. Es freut mich, dass Ihr die Zeit gefunden habt für dieses Interview, bei dem wir Euren Weinbaubetrieb ein wenig vorstellen wollen.

Seit wann besteht denn Euer Betrieb?
Jürgen Vollmer: Unseren Betrieb gibt es bereits seit dem 18. Jahrhundert.  Allerdings haben sich unsere Vorfahren irgendwann wie viele andere kleine Winzer einer  Genossenschaft angeschlossen und dorthin ihre Trauben geliefert.  Noch mein Vater und Großvater waren Mitglied in der alten Winzergenossenschaft am Römer – dort wo heute das Bürgerhaus drin ist. Nach einer Fusion kamen wir dann in die Zentralkellerei oben an der Hauptstraße und als die in wirtschaftliche Schwierigkeiten kam, haben wir die Gelegenheit ergriffen uns wieder selbstständig zu machen, allerdings im Nebenerwerb.  Das war 1996 und ist jetzt exakt 20 Jahre her –  noch so ein kleines Jubiläum im Rheinhessen-Jubiläumsjahr!  Unser erster Flaschenwein damals war ein Silvaner  und auch unsere aktuelle „Jubiläums-Edition 1816“ ist wieder ein Silvaner, diesmal ausgezeichnet mit der Kammerpreismünze, etwas wovon wir damals nicht zu träumen gewagt hätten.

 

Das bedeutet also, dass der Niedergang der Winzergenossenschaft für Euch persönlich etwas Gutes hatte. Wie viele Generationen arbeiten denn in Eurem Weinbaubetrieb?
Jürgen Vollmer:  Derzeit arbeiten zwei Generationen mit. Auch die Schwiegerkinder machen mit und haben Freude an der Arbeit. Im Nebenerwerb ist das auch nicht anders möglich. Viele frühere Kleinbetriebe haben in den 90er Jahren aufgegeben.  Wir sind stolz darauf, dass es bei uns so funktioniert.

 

Es scheint, als wenn Ihr das was ihr tut, mit Leidenschaft macht. Was denkst Du, macht euer Weingut denn aus?
Jürgen Vollmer: Wenn man Weinbau im Nebenerwerb betreibt, darf man das nicht als Arbeit, sondern als Freude sehen. Diese Leidenschaft versuchen wir in unseren Weinen wieder zu spiegeln. Weinbau mit Leichtigkeit und Leidenschaft also. Wir sind klein, aber intensiv!  Mit ca. 2 Hektar Anbaufläche sind wir einer der kleineren Betriebe. Allerdings sind wir in Gau-Bickelheim auch die einzigen, die Wein in zwei unterschiedlichen Anbaugebieten anbauen. Nämlich in Rheinhessen und an der  Nahe. Wir sind immer offen für Neues und testen gerne.  So haben wir beispielsweise Reben aus der Toskana mitgebracht, aus denen wir den Sangiovese keltern, der dort unten als Grundwein des  Chianti bekannt ist.  Wir müssen nicht davon leben und profitieren davon,  dass auch die Verbraucher heute offener sind und nicht mehr so auf Ihren Stammwinzer fixiert.  Kunden probieren gerne auch mal von unbekannteren Weinbaubetrieben, wie wir einer sind.

 

Das hört sich interessant an. Welchen Herausforderungen muss sich aus Deiner Sicht denn heute ein Winzerbetrieb stellen?
Jürgen Vollmer: Es gibt für mich zwei Herausforderungen
1. Die Traubenerzeugung  und dabei mit den Ressourcen der Natur schonend umzugehen. So das unsere Kinder und Enkel auch noch etwas von der Natur haben.  Dabei darf natürlich die Qualität des Weins nicht leiden
2. Spaß und Leidenschaft muss da sein, nur dadurch können wir Kunden überzeugen. Wir besuchen keine Messen, sondern versuchen auf Weinfesten oder aufgrund von Empfehlungen Kunden durchs Weinprobieren von unseren Weinen zu überzeugen.

 

Was bedeutet denn Wein für Dich persönlich?
Jürgen Vollmer: Lebensqualität und der krönende Abschluss eines Tages. Bei einem Glas Wein einfach mal die Seele baumeln lassen.

 

Und welchen Wein trinkst Du am liebsten von den eigenen Weinen?
Ruth Vollmer: Das wechselt immer mal wieder. Aktuell ist es unser Silvaner Spätlese, der „1816“. Im letzten Jahr war es  der Weißburgunder Classic.
Jürgen Vollmer: Man sollte als Winzer auch geschmacklich breit aufgestellt sein. Nur dann kann man seine Kunden auch verstehen. Im Sommer trinken wir meistens  leichte Weißweine, im Herbst und Winter darf‘s gerne auch mal ein schwerer Roter sein.

 

Wein und Essen gehört ja oft zusammen. Gibt es ein Lieblingsgericht für Dich/Euch?
Jürgen Vollmer: Es gibt verschiedene Gerichte, die ich gerne esse.  Jetzt im Sommer öfter  mal Fisch, eine Forelle ist was Leckeres – und dazu  einen Weißburgunder Classic.

Hier ist das Rezept von Ruth Vollmer:
Forelle in Salbeibutter – gebraten auf mediteranem Gemüsebett (4 Portionen):
– 1 Zucchini
– 1 kleine Aubergine
– 1 rote Paprikaschote
– 1 kleine Zwiebel
– 1 Knoblauchzehe
– 6 EL Olivenöl
– Salz
– Pfeffer
– 125 ml Gemüsebrühe
– 1 Bund Salbei
– 4 Forellen à 300 g
– 10 EL Mehl
– 80 g Butter
– 1 Zitrone in Spalten

Zuerst das Gemüse waschen und putzen. Das Gemüse in etwa gleichmäßig kleine Würfel schneiden. Anschließend Zwiebeln und Knoblauch schälen und fein schneiden. Beides in 2 EL Olivenöl in einer Pfanne angehen lassen. Dann das Gemüse hinzufügen, mit Salz und Pfeffer würzen, sowie den Gemüsefond aufgießen. Alles 10 Minuten bei reduzierter Hitze garen lassen. Etwas Salbeiblätter, die gewaschen und getrocknet wurden, in die Bauchhöhle des Fisches geben. Die gesäuberte Forelle mit Salz und Pfeffer würzen. Dann den Fisch in Mehl wenden und abklopfen. Das restliche Öl in einer großen Pfanne oder Bräter erhitzen und die Forelle hineingeben. Erst wenn die erste Seite knusprig ist, den Fisch wenden. Nun die Butter beigeben und die restlichen Salbeiblätter hinzufügen. Bei reduzierter Hitze fertiggaren. Das Gemüse abschmecken, auf einer Platte anrichten, den Fisch mit der Salbeibutter hinzugeben. Vor dem Servieren mit Zitronenspalten garnieren.

Was ist für Dich das Besondere am Wein erleben im Wißberg?
Jürgen Vollmer: Das Besondere für mich ist, dass 10 ganz unterschiedliche Winzerfamilien mit Ihren Helfertrupps, der sehr agile Landfrauenverein und auch einfache Privatleute wie z.B. die Griller aus der Schulrat-Spang-Straße gemeinsam ein solches Fest durchführen. Für diesen ganzen quirligen Haufen ist das Fest  eine „lockere Klammer“ .  Ohne starre Regeln.  Jeder kann sich verwirklichen. Die einzelnen Winzer sollen sich wohlfühlen, denn nur dann fühlen sich auch die Besucher wohl. Dazu gehört auch die Art und Gestaltung des Standes. Das ist oft bei anderen Festen anders. Je mehr Regeln es gibt, desto mehr Reibungspunkte würde es geben.  So  kommen wir alle sehr gut zusammen aus. Besonders schön finde ich es, dass durch das Engagement der Landfrauen nicht nur die Weinstände „draußen am Berg“  sondern auch das Dorfgemeinschaftshaus und das Wiegehäuschen, beides in der Ortsmitte, in das Fest integriert werden. Dadurch können auch ältere Menschen die nicht mehr so gut zu Fuß sind, an unserem Fest teilnehmen. Erwähnenswert ist auch, dass das obengenannte Grillteam aus der Schulrat-Spang-Straße  alles „aus Spaß an der Freud macht“ und seinen Gewinn komplett spendet.

 

Vielen Dank für das Interview an euch beide. Das war wirklich interessant. Wie seid ihr denn erreichbar, falls jemand Wein bei euch kaufen oder auch mal probieren möchte?
Jürgen Vollmer: Einfach nach Absprache, in der Woche abends oder am Wochenende.
Winzerhof Am Römer – Weinbau Jürgen Vollmer
Am Römer 5 (oder „Außenstelle“ Schulrat-Spang-Str. 12)
55599 Gau-Bickelheim
Mobil: 0171-7048924 / 06701-3847
E-Mail: weinbau.vollmer@ewr-internett.de

 

Termine 2016:
10. Juli 2016: Wein erleben im Wißberg
23. Juli 2016: Sommernacht im Wißberg, ab 18 Uhr an der Kreuzkapelle
24. Juli 2016: Wandersommer an Kreuzkapelle
6. bis 7. August 2016: Mittelalterliches Klosterfest in Pfaffen-Schwabenheim

 

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